Montag, 10. Februar 2020

Gas-Tankflaschen in Freizeitfahrzeugen

Gas-Tankflaschen für LPG sind ein Thema über das jeder Wohnmobil Besitzer früher oder später einmal stolpert und deren Problematik ich hier einmal näher beleuchten möchte.

Bevor ich zur genauen Definition komme, lassen Sie uns aber zuerst auf den Unterschied zwischen LPG (Autogas) und Propangas eingehen.

Was ist LPG (Autogas)?

LPG  (Liquified Petroleum Gas) oder französisch GPL (Gaz Petroleum Liquide) besteht nicht aus reinem Propangas, sondern aus einem Butan/Propan Gemisch. 

Was ist der Unterschied zwischen LPG und Propangas?

Propangas besteht zu 95% aus Propan, während LPG ein Mischungsverhältnis von 60% Butan zu 40% Propan im Sommer und den umgekehrten Wert, also 60% Propan zu 40% Butan im Winter hat.

Der Butananteil ist im Winter kaum nutzbar, weil er unter – 0,5°C nicht mehr verdampft und somit flüssig bleibt. Ist der Propananteil verbraucht gibt die Flasche nichts mehr her, obwohl sie noch zu 40% gefüllt ist. Propan hingegen verdampft bis - 42°C, ist damit das ideale Brenngas und führt zu keinerlei Verrusung.

Der Butan-Anteil im LPG sorgt dagegen dafür, dass bei der Verbrennung mehr Ruß entsteht. Diese Rußpartikel lagern sich z.B. am Brenner und im Kaminrohr des Kühlschranks ab, was auf Dauer zu Einschränkungen bei der Kühlleistung führt. Bei der Verwendung von LPG ist zu beachten, dass diese Bauteile aus Sicherheitsgründen öfter gereinigt werden müssen –  zwei- bis dreimal pro Jahr. 

Um Fehl- oder Falschinformationen, die im Internet zu Hauf kursieren, entgegen zu wirken, hier nun die wichtigsten Punkte zum Thema Gastankflaschen für LPG.

Gas-Tankflaschen und fest eingebaute Brenngastanks unterliegen beide der Europa-Norm ECE R 67.01. Sie müssen den gleichen technischen Anforderungen entsprechen. Damit sind Gastankflaschen Gastanks technisch und damit gesetzlich gleichgestellt. 

Diese Tatsache ist vom DVFG (Deutscher Verband für Flüssiggas) als federführende Organisation bei der Festlegung von Standards bestätigt. Andere Interessen-Organisationen wehren sich allerdings vehement gegen diese Aussage und es kommt daher immer wieder zu den o.g. Fehl- oder Falschinformationen.

Da Gas-Tankflaschen Brenngastanks gleichgesetzt sind, hat der Einbau in Freizeitfahrzeuge gemäß der Europa-Norm EN 1949 (Baunorm für Freizeitfahrzeuge) zu erfolgen. Dies ist vom DVFG auch so bestätigt.

Die Norm EN 1949 besagt, dass die Anforderung an die Befestigung von Brenngastanks, also hier auch an die der Gas-Tankflaschen, 20g in Fahrtrichtung und 8g waagerecht zur Fahrtrichtung betragen muss!!! 

Ein Gastank (hier die Gas-Tankflasche) muss fest verbaut und damit ein Teil des Fahrzeugs sein. Er muss dabei völlig andere Anforderungen erfüllen als eine Gas-Tauschflasche, die  entsprechend den Vorgaben der europäischen Gefahrgutverordnung als reine Ladung definiert ist und damit weniger stark gesichert sein muss.

Weiterhin fordert die EN 1949 zwingend eine feste Verrohrung. Gasschläuche sind weder bei Brenngastanks, noch bei Gas-Tankflaschen erlaubt.

Da der Gaskasten eines Freizeitfahrzeugs in der Regel aus Holz oder GFK besteht, ist die Forderung nach 20g/8g durch einfaches Anschrauben mit Metallbändern, die den Tankflaschen zum Selbsteinbau bei Kauf beiliegen, niemals zu erreichen.

Damit die Bedingungen 20g/8g mit Gas-Tankflaschen erreicht werden können, müssen die Metallbänder entweder direkt mit dem Fahrzeugrahmen oder an einer „Hilfsrahmenkonstruktion“ innerhalb des Gaskastens, die diese Bedingung erfüllt, befestigt werden. 

Der sachgerechte und vorschriftsmäßige Einbau von Gas-Tankflaschen nach den geltenden Vorschriften unterliegt dabei Anforderungen, die nur von qualifizierten Fachwerkstätten und keinesfalls durch Selbsteinbau erfüllt werden können. Zudem muss der Umbau von einer technischen Überwachungsstelle geprüft und in den Fahrzeugpapieren eingetragen sein.

Der sachgerechte Einbau muss bei der Gasprüfung mit der Bescheinigung des Fachbetriebs und der Eintragung im Fahrzeugschein nachgewiesen werden.

Liegt dies nicht vor, darf keine positive Gas-Prüfbescheinigung ausgestellt werden. Liegt diese vor, aber die Tankflaschen sind mit Schläuchen angeschlossen, und nicht wie von der EN 1949 gefordert fest verrohrt, darf ebenfalls keine Prüfbescheinigung ausgestellt werden! 

Befüllung von Gasflaschen und Brenngastanks bzw. Gas-Tankflaschen:

Es ist gesetzlich verboten Gasflaschen, und um solche handelt es sich bei nicht fest am Fahrzeugrahmen befestigten Gas-Tankflaschen, selbst zu befüllen. Eine Befüllung darf nur von Fachpersonal in Füllbetrieben (nicht an Tankstellen!) getätigt werden. 

Fest verbaute und verrohrte Tanks sowie fest verbaute und verrohrte Gas-Tankflaschen, dürfen dagegen an LPG Tankstellen betankt werden. In Deutschland allerdings nur durch Tankstellenpersonal.

Wer dagegen verstößt handelt grob fahrlässig und ist im Schadensfall persönlich haftbar.

Alle weiteren Diskussionen um Gefährdung oder Nichtgefährdung, Sinn oder Unsinn dieser Vorschriften sind müsig. Tatsache ist, Gas-Tankflaschen sind laut Norm eindeutig Brenngastanks gleichgesetzt und unterliegen somit auch deren Vorschriften!

Da sich die Gas-Tankflaschen nach den o.g. Regeln meist nicht in Wohnmobilen befestigen lassen, sollte vernünftigerweise auf diese verzichtet und normale Tauschflaschen aus Stahl oder ALU verwendet werden. 

Zu bedenken ist zusätzlich, dass Gas-Tankflaschen, sofern sie nicht die Bauartzulassung nach ECE R67.01 haben (Tanks mit Bauartzulassung nach ECE R 67.01 sind NICHT prüfpflichtig), im 10 Jahresabstand druckgeprüft werden müssen. D.h. sie müssen ausgebaut und zu einer zertifizierten Prüfstelle eingeschickt werden, was einen erheblichen, zusätzlichen Kostenfaktor darstellt. Hier ist mit Kosten von 150 € – 200 €/Flasche zu rechnen. 


Camping Gas in Spanien

Die bei uns gebräuchlichen grauen 5- und 11-kg Gasflaschen dürfen in Spanien nicht befüllt werden und werden dort auch nicht getauscht. 

Es soll zwar Tankstellen geben die anbieten, diese mittels Fülladaptern, die es im übrigen auch bei uns zu kaufen gibt, mit LPG zu befüllen, davon ist aber zur eigenen Sicherheit total abzuraten. 

Eine normale Gasflasche darf nur in Abfüllbetrieben gefüllt werden die eine Verwiegeeinrichtung mit automatischer Abschaltung haben (Füllgrenze 80%!). Für diese Abfüllbetriebe sind die Fülladapter gedacht die es bei uns zu kaufen gibt. Sie sind nicht für eine "Selbstfüllung"!! 
Eine Überfüllung der Flasche, die bei Selbstfüllung gegeben ist, kann zum bersten und im schlimmsten Falle zur Explosion führen. 

Sollte man Ihnen dies einmal anbieten, lehnen Sie es strikt ab! 

Das immer wieder aufkommende Thema Tankflaschen, die an Tankstellen mit LPG gefüllt werden, habe ich ausführlich im Post "Gas-Tankflaschen in Freizeitmobilen" beschrieben.

In Spanien gibt es zwei Anbieter von Flaschengas: Repsol und Cepsa. Beide bieten sowohl Propan-Gas als auch Butan-Gas an. 

Wer auch im Winter in Spanien unterwegs ist, sollte auf jeden Fall Propan benutzen. Die Nächte können auch an der Mittelmeerküste gerne mal Null Grad und darunter erreichen, und dann ist Butan nutzlos, da es ab 0,5°C nicht mehr verdampft. Propan dagegen verdampft bis - 42°C. 
Dazu hat Butan, im Gegensatz zu Propan, das Problem der Verrusung.

Repsol ist mit seinem Tankstellen-Netz in ganz Spanien vertreten und man findet daher überall problemlos eine Möglichkeit, die leere Gasflasche gegen eine volle zu tauschen. Auch viele Campingplätze bieten inzwischen gegen Pfand Repsol Flaschen an.

Repsol-Gasflaschen erkennt man an ihrer auffälligen orangen Farbe. 




Die Propan-Gasflaschen haben, im Unterschied zu den Butan-Gasflaschen, einen umlaufenden schwarzen Streifen auf dem "Propano" steht.

Cepsa ist dagegen seltener anzutreffen und ich rate daher zu Repsol.

Deutsche Touristen können bei Repsol Agenturen, oder an Repsol Tankstellen mit einer Art Pfandvertrag Gasflaschen erstehen. Dazu wird allerdings ab und zu eine spanische Steuernummer verlangt, die man ja nicht hat. In diesem Falle einfach zu einer anderen Tankstelle fahren die diese nicht verlangt. 

Die Flaschen können dann, sofern man möchte, bei der Ausreise an an einer Repsol-Tankstelle gegen Erstattung des Pfandbetrags zurückgegeben werden. 
Und wie schon erwähnt, an vielen Campingplätze erhält man Repsol Gasflaschen gegen Pfand, ohne jeglichen Vertrag.

Fährt man des öfteren nach Spanien, habe ich folgenden Rat. 

Man behält „seine“ Flasche, tauscht sie vor der Ausreise noch einmal und nimmt sie voll mit nach Hause. Bei der nächsten Spanientour hat man dann sofort eine volle Flasche zur Verfügung und braucht sich erstmal um keine neue zu bemühen.

Um sich bereits vor der Abreise aus Deutschland eine spanische Gasflasche zu besorgen, gibt es folgende Möglichkeit. 

Oft verkaufen Camper, die nicht mehr nach Spanien reisen, ihre Repsol Gasflasche bei Ebay, Ebay Kleinanzeigen oder sonstigen Verkaufsportalen.
Wenn man erstmal eine spanische Gasflasche besitzt, kann man sie überall problemlos gegen eine Volle eintauschen. Das Vorzeigen eines Vertrags mit Repsol verlangt beim Tausch niemand.

Eine weitere Möglichkeit wäre, sie für wenig Geld auf einem spanischen Flohmarkt zu erstehen.



Spanische Gasflasche anschließen

Die spanischen 11kg Gasflaschen sind geringfügig breiter als die deutschen Gasflaschen. Sie sollten aber problemlos in jeden Gaskasten passen.

Während bei deutschen Gasflaschen ein Absperrventil fest eingebaut ist, haben die spanischen Gasflaschen nur einen Kugelventil-Verschluß (G.56). Um diesen zu öffnen benötigt man einen speziellen Clip-on Adapter G.56

Man kann sich dieses Teil in Spanien z.B. in einer Ferreteria (Eisenwarenhandlung/Baumarkt) kaufen, oder stressfrei aus Deutschland mitbringen. Sie werden im Internet in allen möglichen Shops angeboten.



Clip-on Adapter mit spanischem Regleranschluß ohne Dichtung. Hier ist ein Adapter notwendig
.
Da diese Adapter reine Absperrventile sind, muss daran natürlich der deutsche Gasregler angebracht werden. Dazu benötigt man den separaten Gasadapter Nr. 4, den man mitbringen muss, da es ihn in Spanien nicht zu kaufen gibt, 





Gasadapter Nr. 4 für Spanien

oder man ersteht bereits in Deutschland einen spanischen Clip-on Adapter mit deutschem Anschlussgewinde und Dichtung.







Clip-on Adapter mit deutschem Regleranschluß (KLF) G.12

Dieser Clip-on Adapter hat weiterhin den Vorteil, dass es auch für Gasflaschen in Dänemark, Frankreich, Irland, Norwegen und Schweden verwenden werden kann.

ACHTUNG: In Spanien nennt man den Clip-on Adapter "Regulador" (Regler), auch wenn es nur ein Absperrventil ist. 
Also, nicht täuschen lassen. Der deutsche Gasregler ist IMMER notwendig!!

Die Clip-on Adapter werden mit rotem und schwarzen Drehknopf angeboten. 

Ventile mit rotem Drehknopf lassen beim Öffnen, wie in Deutschland, den vollen Flaschendruck von 10 - 12 bar durch. 

Ventile  mit schwarzem Drehknopf, die auch um einiges teurer sind, reduzieren den Gasdruck bereits an der Flasche auf Werte von 1-2 bar. Diese Ventile sind in Spanien für Innenräume Pflicht. Da der Gaskasten aber als Außenbereich gilt, kann man ohne Bedenken das preiswertere Ventil mit dem rotem Knopf verwenden. 

Gas-Tankflaschen in Freizeitfahrzeugen

Gas-Tankflaschen für LPG sind ein Thema über das jeder Wohnmobil Besitzer früher oder später einmal stolpert und deren Problematik ich hier ...